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1.) Je mehr ich erkenne, desto mehr befreie ich mich vom Besitz. Erkennen heißt aufstehen, heißt, sich entleeren.

2.) Nur einen Buchstaben verschieben – und eine ganze Lebensspanne entfaltet sich darin: Streben – sterben.

3.) Sich ent-leeren heißt, sich Fülle geben.

4.) Wenn wir Gegenwart erleben – dann im Spiel.

5.) Die modernen Philosophen kommen mir so vor wie Primaten im Zoo, die unablässig den Bedingung der Möglichkeit des Verhaltens ihrer Mittiere nachsinnen. Die Gitterstäbe der Käfige allerdings sind aus ihrem Blickfeld längst verschwommen und die Bananen, die ihnen die Wärter bringen, nehmen sie so selbstverständlich wie gedankenverloren hin, als gehörten diese zur ontologischen Gewissheit.

6.) Die Akteure der Unterhaltungsindustrie sind recht eigentlich Parfümeure einer ganz großen Scheiße.

7.) Die Wirklichkeit ist fragmentiert. Jede Geschlossenheitsvorstellung in der schönen Literatur ist daher im Grunde eine, die auf Ideologie hinauslaufen muss.

8.) Was könnte die Vorstellung einer Hölle besser konkretisieren als die asiatische Idee der Wiedergeburt?

9.) Geliebtes Tier. Auf den Hund gekommen.

10.) Mythos von der Kultiviertheit des Bürgertums. 1.) Hatten die das nötige Geld, um Kunst und Wissenschaft einzukaufen und zu beschäftigen, sich damit zu schmücken. Das aber dürfte in der Regel wohl eher 2.) eine Variable des Geschäfts gewesen sein, das zu Netzwerken nötigt. So gibt man Gesellschaften – die Börse für das Knüpfen neuer Geschäftsbeziehungen. 3.) So macht man sich in der Gesellschaft einen Namen (z.B. als Mäzen), was wiederum gut fürs Geschäft ist. Kunst ist in der bürgerlichen Gesellschaft nicht Zweck, sie ist Mittel (zum Zweck der Kapitalakkumulation).

11.) Schwerkraft und Bewegung – durch Schütteln trennt man Spreu vom Weizen. Auch im Denken.

12.) Schreiben ist der Wettkampf mit dem Verflüchtigen der Gedanken.

13.) Schule in der bürgerlichen Gesellschaft ist in erster Linie kein Ort des Lernens, sondern Indoktrinations- und Leistungsfeststellungsanstalt – und damit ein Ort systematischer Verdummung.

14.) Sein Roman ist der Kassenbon, der sich dem Dichter der Kopfkasse entschlängelte.

15.) Sprachgewohnheit dümpelt dumpf in Gewohnheitssprache.

16.) Der Digressionsstil verletzt nicht die Sprache, er verletzt allenfalls die Sprachgewohnheit.

17.) Was uns unterscheidet: Während er schon zuschlägt, denke ich noch nach.

18.) Älterwerden und Botanik: Unten stirbt es langsam ab, oben fängt es richtig an zu blühen.

19.) Was sollen die Hosentaschen, wenn man nichts hat hineinzutun?

20.) Er kaufte sich einen Hund, weil er zu feige war, selbst seinem verhassten Nachbarn in den Vorgarten zu kacken.

21.) Sollen ist das Mittelfeld zwischen Wollen und Müssen. Es ist das freiwillige Wollen des Müssens.

22.) Diplomaten sind Hyänen mit geputzten Zähnen.

23.) Dummheit ist nicht Nichwissen, sie ist der parteiische Gebrauch des eigenen Verstandes.

24.) Der Bürger träumt manchmal davon, Nomade zu sein, der sich nach der Sicherheit und Geborgenheit des bürgerlichen Heims sehnt.

25.) Der Mensch ist ein maschinenbauendes Tier.

26.) Meditation ist ein Zustand, in dem man im Traume wacht und gleichzeitig im Wachsein träumt.

27.) Eros soll uns zum Sexus führen. Aus Verzauberung und Märchen fällt alles Glück in kurzen Momenten aus Schleim und schlechten Gerüchen und Geschmäckern in sich zusammen, Leere hinterlassend.

28.) Der Mensch ist ein Zwitterwesen aus Tier und Gott (und doch keins von beiden), der seine Mitte nicht finden kann. Beide Pole sind zu stark in ihrer Anziehung und Abstoßungskraft. So pendelt der Mensch hin und her zwischen Himmel und Hölle und ist schon jetzt dem Untergang geweiht.

29.) Reichtum und Armut: Wende Gewalt an, jage den Bauern von seinem Feld. Trenne seine Arbeitskraft von der Natur. Schaffe dir eine Regierung, die deinen Diebstahl, deinen Raub schützt. Nutze die Not des Beraubten, lasse ihn für dich arbeiten. Gib ihm etwas Geld (du erscheinst als Wohltäter dem Armen), dass er das, was er für dich produziert, dir auch abkaufen kann. Die Armen bleiben arm. Und du wirst immer reicher.

30.) Computerspiele (panem et circenses). Brot und Spiele. Der Fortschritt seit Rom: Heute kann sich jeder sein Colloseum nach Hause mitnehmen.

31.) Ideologische Wäsche – des Sklaven neue Kleider.

32.) Das bürgerliche Individuum erscheint als schizophrenes Zwitterwesen aus Müsser und Dürfer.

33.) Toleranz schließt notwendigerweise das sacrificium intellectus mit ein.

34.) Gegenwart ist das Differential von Vergangenheit und Zukunft, der einzige Punkt, wo Vergangenheit Vergangenheit und Zukunft Zukunft ist.

35.) Nachrichten – wonach der gute Staatsbürger sich richtet. Er richtet damit die Vernunft zu. Damit richtet er sich. Aber nicht auf. Sondern ab.

36.) Geschichte. Was ist sie anderes, als die Beweihräucherung derer, die herrschten und herrschen?

37.) Der Trick der modernen Philosophen: Sie haben die Aporie der Dualität erkannt. Und machen folgenden Fehlschluss: Das Absolute scheine in der reinen Methode des Denkens auf. Da wir abstrakt das Unergründliche methodisch setzen können, müsse es auch irgendwie vorhanden sein. Die Esel mit Brille und Professorengehalt hängen selbst die Lockrute mit der Möhre raus und laufen dann dem eigenen Gemüse hinterher.

38.) Heutzutage glaubt ja jeder von allem etwas zu verstehen. Für den Rest gibt es dann Experten.

39.) Immer, wenn man alles will, kommt man zu nichts.

40.) Im Labyrinth verliert man sich nur, wenn man nach dem Ausgang sucht.

41.) Nach innen sich verzweigende Welten. Von oben (außen) gesehen völlig nichtig.

42.) Wenn es nichts mehr zu lachen gibt, hilft nur noch Humor.

43.) In der Poesie ändert sich der Gedanke schon in dem Augenblick, wo man beginnt, ihn aufzuschreiben.

44.) Die Verwandtschaft steht vor der Türe. Was nun folgt, nennt man in der Ökonomie feindliche Übernahme.

45.) Die Türe zur Sargzimmerei ihrer Ehe stand mit einem Male sperrangelweit offen.

46.) Philosophie ist so etwas wie Science Fiction ohne Plot.

47.) Man macht es sich leicht, indem man schwierig schreibt.

48.) Bürgerliche Probleme: Wenn man einer Frau Parfum schenkt (z.B. zum Geburtstag): Muss man dann denken, dass sie denket, dass man denke sie stinke?

49.) Das Schöne am Zufall kann sein, dass einem etwas dabei zufällt.

50.) Zufall. Die Natur ist ein Würfelspiel.

51.) Die Hure Eigenthum / Und ihr Schooszhundt / Gewalt. // Sie hatten zwey Wechselbälger: / Staat und Geld.

52.) Besuche machen oder auch empfangen, ist für mich so etwas, wie eine kosmische Reise zu unternehmen. Der Energieaufwand ist extraordinär, und am Ende all der Bemühungen findet man dann doch nur eine Handvoll Mondstaub vor.

53.) Dank ist der Ausdruck eines ideellen Schuldverhältnisses. Solte nicht mit Freude verwechselt werden.

54.) Der Moralist kann nichts erklären. Er verklärt.

55.) Der Klimaforscher hängt seine Polkappe an den Nagel.

56.) Angestellte. Sie sitzen in Büros und denken, es seien ihre. Sie sind funktionierende Tiere, die ständig versuchen, sich mit scharfen Essenzen ihrer unweigerlich schlechten Gerüche zu entledigen.

57.) Zur Ungeduld: Wenn Du am Ende anfängst, endest Du immer am Anfang.

58.) Das, was wir früher früher waren, sind die jungen Menschen heute später.

59.) Wie sind wir der Mythen doch müde und erschaffen ständig neue.

60.) Es sind die Asseln, Käfer und Schaben, die uns nachts, wenn wir schlafen, ihr Gesetz in die dunklen Zimmer, die nur für Stunden leer von unseren donnernden Tritten sind, tragen.

61.) ‘Das ist doch keine Kunst!’ ‘Das können wir auch!’ = Wir haben bezahlt und wollen: Bestätigung!

62.) Die Jugend ist immer gehässig – sie ist verloren in Kurzatmigkeit ihrer an Land nach Luft schnappenden Gedankenfische – und sie können die Käfigleere ihrer wild umhergeschobenen Einkaufswagenlüsternheit nicht fassen.

63.) Um ein Universum zu schaffen, bedarf es in erster Linie eines großen Quantum Gases. Ähnlich ist es bei literarischen Universen.

64.) Wenn wir gut sind, werden wir jünger im Alter.

65.) Die Dosen der Droge des Schlafs erhöhen. Morpheus’ Rettung.

66.) Je mehr wir erinnern, desto mehr nimmt das Zukünftige ab.

67.) Die Verhältnisse zwischen den Menschen sind Ergebnisse ihrer Produktionsverhältnisse. Das ist die Verhältnisproduktion des Produktionsverhältnisses.

68.) Wenn man das Einfache will, muss man zunächst das Schwierige meistern.

 

text by chris johnson.

 

 

 

 

 

 

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